Release & Reconnect | 10. Mai 2026

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Sie kam zu spät.

Atemlos. Die Haare noch vom Wind zerzaust, die Entschuldigung schon auf den Lippen, bevor sie überhaupt die Tür hinter sich geschlossen hatte. Ich habe sie angeschaut und gedacht: Da ist die ganze Woche. Im Körper. Im Gesicht. In der Art, wie sie ihre Tasche abstellt, als wäre sie froh, endlich etwas loslassen zu dürfen.

Es war Muttertag. Und sie hatte sich drei Stunden für sich selbst genommen. Mitten in einem Tag, der gesellschaftlich dafür vorgesehen ist, dass Frauen gefeiert werden. Und der in der Realität oft bedeutet, dass sie noch mehr organisieren, noch mehr lächeln, noch mehr geben.

Das ist kein Zufall. Das ist Muster.


Wir haben an dem Sonntag im Bhudhara Yoga Studio in Berlin gearbeitet. Pauline und ich. Mit Frauen, die viel leisten, viel tragen. Und die alle, so unterschiedlich sie sind, eines gemeinsam hatten: Dieses leise, hartnäckige Wissen.

So wie es ist, kann es nicht bleiben.

Nicht als Krise. Nicht als Drama. Eher als ein Ziehen, das schon länger da ist. Das man irgendwann aufgehört hat zu benennen, weil der Alltag einfach weiterläuft.

Wir haben sie nicht gefragt, was sie beruflich machen. Wir haben gefragt, was sie heute mitgebracht haben. Was in ihrem Rucksack ganz obenauf liegt. Welche Last, welche Erwartung, welche Verpflichtung schon den ganzen Morgen auf ihren Schultern sitzt.

Bei den meisten kam ein Satz. Ein Wort.

Bei ihr kamen Tränen.

Still. Unkontrolliert. So, wie Dinge aufbrechen, wenn man endlich gefragt wird. Wenn jemand nicht voraussetzt, dass man einfach weitermacht – sondern fragt, was man eigentlich trägt.

Niemand hat etwas gesagt. Niemand musste. Der Raum hat gehalten, was Worte nicht hätten halten können.


Die erste erste Yoga Positionen,

geführt von Pauline.

Nicht als Ablenkung. Nicht als nächster Programmpunkt. Sondern als Einladung, den Körper ankommen zu lassen, bevor der Kopf weiterdenkt. Die Gedanken, die To-Dos, die Woche, die noch in den Muskeln steckte, bewusst beiseite zu legen. Platz zu schaffen für das, was wirklich zählt.

Für viele Frauen ist genau das der schwerste Moment des Tages. Nicht die Arbeit, die danach kommt. Sondern das Erlauben, erst mal nichts zu müssen.

Wenn der Körper warm ist, denkt man anders. Wenn man geht statt sitzt, spricht man anders. Wenn man gerade selbst gespürt hat, wie es sich anfühlt festzuhalten. Dann versteht man auf einmal sehr genau, wovon wir reden.


Sie sind so unterschiedlich, die Frauen, die an diesem Tag da waren.

Unterschiedliche Alter, unterschiedliche Leben, unterschiedliche Geschichten. Und doch saßen sie alle im selben Raum. Haben dieselben Fragen gestellt. Haben sich gegenseitig Dinge gesagt, die sie sich vielleicht selbst noch nicht so klar ausgesprochen hatten.

Das passiert nicht, weil ich es so geplant habe. Das passiert, wenn der Rahmen stimmt. Wenn Menschen spüren, dass der Raum wirklich gehalten wird. Dass nichts bewertet wird. Dass niemand erwartet, dass man stark bleibt.


Ich möchte ehrlich sein.

Drei Stunden. Und doch hatte ich beim Rausgehen das Gefühl: Wir hätten noch viel länger bleiben können.

Nicht weil etwas gefehlt hat. Sondern weil etwas aufgegangen ist und Dinge, die sich öffnen, wollen weitergehen. Das kennt man. Dieses Gefühl, wenn man anfängt zu graben und merkt: da ist mehr Boden, als man gedacht hat.

Ein Workshop schafft keinen Abschluss. Er schafft einen Anfang. Einen ersten, ehrlichen Blick auf das, was schon lange da war und gleichzeitig keinen Platz hatte.

Manche tragen das einfach mit nach Hause. Als neuen Blick. Als ein Wissen, das jetzt endlich einen Namen hat.

Und manche spüren: Da will ich tiefer. Da will ich nicht allein weitergehen.

Für die bin ich da.


Ich gehe mit etwas nach Hause, das ich nicht erwartet hatte.

Einer tiefen, stillen Dankbarkeit. Dafür, dass ich diesen Raum halten durfte. Dafür, dass diese Frauen gekommen sind – manche mit Anlauf, eine atemlos und zu spät – und sich trotzdem, mitten im Muttertag, drei Stunden für sich selbst entschieden haben.

Das war ihr Geschenk an sich selbst.

Und ich durfte dabei sein.

soul session // final

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