Wahrnehmung ist nicht die Antwort, die dich trägt.
Sie ist erst der Anfang von dem, was kommen darf.
Was passiert, wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht klar ist – und warum Wahrnehmung und Erfahrung dann wichtiger werden können als noch mehr Analyse.
Du merkst, dass etwas nicht stimmt. Und das auch schon länger.
Immer mit dem Gefühl, du kommst nicht voran. Steckst irgendwie fest.
Vielleicht ist es diese Unruhe am Abend, die sich nicht mehr wegatmen lässt.
Vielleicht ist es auch die Erschöpfung, die nicht besser wird, egal wie viel du schläfst.
Oder es ist ein Ziehen im Bauch, wenn ein bestimmter Name im Kalender auftaucht.
Du merkst es und du kannst es vielleicht sogar benennen. Und trotzdem ist dir nicht ganz klar, was es genau ist.
Wenn du dich gerade lost oder orientierungslos fühlst:
Wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht klar ist, fehlt dir möglicherweise nicht einfach mehr Klarheit. In Übergangsphasen kann ein Teil der Klarheit erst durch neue Erfahrung entstehen. Wahrnehmung ist dann der Ausgangspunkt – aber nicht die fertige Antwort.
Vielleicht liegt das Problem also nicht darin, dass du noch nicht genug weißt.
Vielleicht versuchst du gerade, Klarheit in einer Reihenfolge herzustellen, die in dieser Phase nicht mehr funktioniert.
Also machst du das, was dich bisher immer weitergebracht hat.
Warum bringt Nachdenken manchmal keine Klarheit?
In der Reihenfolge, die dich bis hierher gebracht hat
So funktioniert „Kompetenz“ in unserer Gesellschaft. Und so sind wir wahrscheinlich auch alle groß geworden – sowohl beruflich als auch privat.
Erst wird alles analysiert, es werden genügend Informationen gesammelt. Optionen werden abgewägt. Und erst dann, wenn wir uns ganz sicher sind, gehen wir den ersten Schritt.
Tatsächlich ist diese Reihenfolge attraktiv, denn dieses Modell wird am Ende immer wieder belohnt. In Meetings, in Beurteilungsgesprächen, in jeder Situation, in der Verantwortung gefragt ist, gilt immer dasselbe:
Wer klar ist, bevor er handelt, wirkt kompetent.
Immer mit der Prämisse: Wer vorher denkt, macht weniger Fehler.
Also überträgst du das Modell auch auf dich selbst. Auf die Unruhe, die Erschöpfung, das Ziehen im Bauch.
Du versuchst, das alles erst im Detail zu verstehen, bevor du etwas veränderst. Du sammelst deine Wahrnehmung wie ein neues Datenblatt – zusätzlich zu allem, was du sonst schon analysiert hast. Und wartest auf den Moment, in dem du der Auffassung bist, genug Klarheit zu haben, um zu handeln.
Der Fehler liegt nicht in deiner Wahrnehmung.
Er liegt in der Reihenfolge.
Was bedeutet „In Between“?
In Between ist eine Übergangsphase, in der das Alte nicht mehr trägt, während eine neue Richtung noch nicht klar geworden ist. Gewohnte Antworten funktionieren nicht mehr zuverlässig, gleichzeitig fehlen noch Erfahrungen mit dem, was als Nächstes entstehen könnte.
Keine Krise im dramatischen Sinn, sondern ein Übergang, in dem gewohnte Antworten nicht mehr passen. „Erst klar sein, bevor man handelt“ setzt voraus, dass das Wissen, das dich zur Klarheit führt, bereits irgendwo vorhanden ist. Du musst es nur finden.
In einer In-Between-Phase ist allerdings genau das nicht immer gegeben. Nicht jede Antwort lässt sich durch noch mehr vorhandenes Wissen finden. Denn ein Teil dessen, was du für deine Entscheidung wissen musst, entsteht möglicherweise erst durch Erfahrungen, die du noch nicht gemacht hast.
Es fehlen Erfahrungswerte, die du abrufen könntest. Es fehlen Vorlagen aus ähnlichen Situationen. Und je länger du wartest, bis genug Klarheit da ist, um den ersten Schritt zu gehen, desto länger bleibst du stehen – und wartest.
Also dreht sich die Reihenfolge um: erst der Schritt, dann die Klarheit.
Warum reicht „Höre auf deinen Körper“ allein nicht aus?
„Höre auf deinen Körper“ greift für mich allein zu kurz. Denn auch dieser Satz kann dich wieder in den alten Modus zurückholen:
spüren, verstehen und irgendwann dann vielleicht handeln.
Wahrnehmung wird zur zusätzlichen Analyse-Grundlage – nur mit anderen Daten. Gemeint ist aber etwas anderes. Der Körper liefert dir kein fertiges Wissen. Was du körperlich wahrnimmst, kann ein Hinweis darauf sein, dass etwas gerade deine Aufmerksamkeit braucht.
Aber dieser Hinweis ist noch keine fertige Antwort.
Und genau deshalb beginnt die eigentliche Arbeit nicht damit, jedem Signal zu folgen. Sie beginnt damit, genauer zu unterscheiden, was du wahrnimmst, was es bedeuten könnte und welches Gewicht du dieser Wahrnehmung in deiner Situation geben möchtest.
Wie entsteht aus Wahrnehmung neue Orientierung?
Zwischen „ich spüre etwas“ und „ich weiß, was ich tue“ liegt ein Prozess.
Wahrnehmung allein schafft noch keine Orientierung. Neue Orientierung kann entstehen, wenn du Wahrnehmung unterscheidest, einen nächsten Schritt erprobst, Erfahrung sammelst und deine ursprüngliche Einschätzung damit abgleichst.
Genau diesen Prozess begleite ich in meiner Arbeit.
In meiner Begleitung unterscheide ich ihn genauer in acht Schritte. Vereinfacht lassen sie sich hier in fünf Bewegungen zusammenfassen:
1. Wahrnehmen
Was nehme ich körperlich wahr? Das ist der Ausgangspunkt. Ohne diesen Schritt gibt es nichts, mit dem man arbeiten kann. Und trotzdem ist Wahrnehmung zunächst nur ein Ausgangspunkt, kein Ergebnis.
2. Unterscheiden
Was genau ist das, was du wahrnimmst?
Denn ein Ziehen allein ist noch keine Diagnose. Ist es Angst oder Aufregung? Erschöpfung oder Überforderung? Eine körperliche Empfindung, eine Emotion, ein Gedanke, ein Bedürfnis oder ein Handlungsimpuls?
In meiner Begleitung schauen wir dabei genauer auf den Kontext, mögliche Deutungen und darauf, welches Gewicht eine Wahrnehmung in der jeweiligen Situation bekommen sollte.
Das Signal wird nicht ignoriert. Aber es wird auch nicht automatisch zur Wahrheit erklärt.
3. Ausprobieren
Und ab hier wird es spannend, denn die alte Reihenfolge kippt.
Kein weiteres Analysieren bis zur vollständigen Gewissheit. Keine finale Entscheidung über die ganze Zukunft.
Es folgt ein kleiner Schritt. Ein Experiment. Vielleicht sagst du ein Meeting ab, obwohl du nicht zu 100 Prozent sicher bist, dass es richtig ist. Oder du probierst aus, einen Tag lang keine zusätzlichen Aufgaben anzunehmen – und beobachtest, was passiert.
Nicht die perfekte Entscheidung. Sondern ein nächster, möglichst überschaubarer Schritt, durch den du etwas erfahren kannst.
4. Erfahren
Was ist nach diesem Schritt wirklich passiert – sowohl im Innen als auch im Außen?
Nicht das, was du erwartet hast. Sondern das, was tatsächlich da war. Das ist der Moment, in dem etwas hinzukommt, das vorher gefehlt hat: deine eigene Erfahrung.
Und genau diese Erfahrung kann dir etwas zeigen, das sich durch Voranalyse und Nachdenken allein nicht herausfinden ließ.
5. Abgleichen
Was hat dir diese Erfahrung über dich und deine Situation gezeigt? Was hat sich bestätigt? Was war anders als erwartet? Wo hast du deine Wahrnehmung passend eingeschätzt – und wo vielleicht nicht?
Erst durch diesen Abgleich kann aus Erfahrung etwas entstehen, das deine nächste Entscheidung verändert.
Du lernst. Du justierst. Du orientierst dich neu.
Nicht für die ganze Zukunft. Sondern für den nächsten Schritt.

Kann ich meinem Körpergefühl bei Entscheidungen vertrauen?
Nicht jedes Signal ist sofort eine Richtung.
Körperliche Wahrnehmung kann ein wichtiger Hinweis sein, ist aber noch keine Entscheidung.
Ein Signal kann unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb geht es nicht darum, jedem Körpergefühl zu folgen, sondern Wahrnehmung zu unterscheiden, einzuordnen und mit Erfahrung abzugleichen.
Nicht jede Körperreaktion bedeutet etwas Bedeutsames. Und nicht jedes Unwohlsein ist ein Zeichen, dem du folgen musst. Unruhe kann bedeuten, dass etwas nicht stimmt. Sie kann aber auch entstehen, weil etwas neu oder ungewohnt ist. Erleichterung kann bedeuten, dass eine Entscheidung für dich stimmig war. Sie kann aber auch entstehen, weil du einer unangenehmen Situation gerade ausgewichen bist.
Wahrnehmung braucht deshalb Unterscheidungsvermögen. Sonst wird aus Körperbewusstsein eine neue Form von Kopf-Kreisen – nur mit anderen Begriffen.
Und aus „erst handeln“ wird schnell wieder: „Erst spüren, bis ich mir sicher bin.“
Derselbe alte Modus, nur mit einem neuen Vokabular.
Muss ich wissen, was richtig ist, bevor ich handle?
Nein – nicht in jeder Situation. Wenn dir für eine Entscheidung noch eigene Erfahrung fehlt, kann ein kleiner, überschaubarer Schritt hilfreicher sein als der Versuch, vollständige Gewissheit herzustellen. Entscheidend ist, anschließend zu beobachten, was tatsächlich passiert, und deine ursprüngliche Einschätzung daran zu überprüfen.
Das Ziel ist nicht, immer zu wissen, was richtig ist.
Das Ziel ist, dir selbst genug zu vertrauen, um den nächsten Schritt zu gehen – und offen genug zu bleiben, um daraus zu lernen.
Vertrauen entsteht durch Erfahrung. Nicht durch Gewissheit.
Und vielleicht bedeutet Vertrauen auch nicht, dass du deiner Wahrnehmung immer folgen musst. Sondern dass du dich selbst mit der Zeit gut genug kennenlernst, um besser einschätzen zu können, wann du ihr welches Gewicht geben möchtest.
Wenn du gerade in einer In-Between-Phase stehst
Du hast Erfahrung. Du kannst analysieren. Du bist es gewohnt, Verantwortung zu tragen.
Und trotzdem gibt es Entscheidungen, für die dir niemand vollständig sagen kann, was richtig ist.
Wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht klar ist, musst du nicht warten, bis du vollständige Gewissheit hast. Körperliche Wahrnehmung kann dir erste Hinweise geben – aber sie ist noch keine fertige Richtung.
Neue Orientierung kann entstehen, indem du wahrnimmst, unterscheidest, kleine Schritte erprobst, Erfahrung sammelst und deine ursprüngliche Einschätzung daran abgleichst.
Vertrauen entsteht dabei nicht daraus, immer richtigzuliegen.
Sondern daraus, dich selbst mit der Zeit besser einschätzen zu lernen.
Das ist In Between.
Die eigentliche Frage ist nicht nur: „Was ist richtig?“
Sondern: „Worauf kann ich mich in mir selbst verlassen, wenn ich es noch nicht weiß?“
Wahrnehmung ist der erste Schritt dahin. Nicht der letzte.
Wenn du Begleitung suchst
Wenn du gerade genau hier stehst und Unterstützung suchst, biete ich ein erstes, unverbindliches Gespräch an.
Darin schauen wir gemeinsam, ob und wie ich dich in deiner In-Between-Phase begleiten kann.



